Segelbekleidung: Ölzeug verstehen und richtig kaufen
Wer zum ersten Mal Ölzeug kaufen will, merkt schnell: Der Markt ist riesig – und die Fachbegriffe fliegen einem um die Ohren wie Gischt im Gegenwind. Wassersäule, Membranen, DWR, MVTR, RET… Man wollte eigentlich nur trocken bleiben – und steht mitten im Technik-Seminar.
Die gute Nachricht: Mit ein paar Grundprinzipien lässt sich das System schnell erkennen. Ölzeug soll wasserdicht sein (Regen und Gischt draußen), atmungsaktiv (Schweißdampf raus), robust, aber nicht unnötig schwer, warm genug, ohne dass man darin „gart" – und bezahlbar. Die Wahl entscheidet massiv über Komfort und Stimmung an Bord: Nasse Knie und klamme Schultern sind selten Crew-Motivations-Booster.
Segelbekleidung funktioniert am besten im Schichtenprinzip – hier geht es um die Außenschicht: das Ölzeug.
Der Einsatzzweck entscheidet
Wer weder frieren noch schwitzen will, klärt vorab drei Fragen:
- Wo segeln Sie? Karibik ist nicht Nordsee. Und die Arktis ist definitiv nicht „Frühling in Kroatien".
- Wie segeln Sie? Regatta, Freizeit, Langfahrt, Profieinsatz – unterschiedliche Belastungen, unterschiedliche Anforderungen.
- Wie oft und wie lange? Ein Wochenende pro Saison ist ein anderes Profil als „mehrere Monate unterwegs".
Wasserdichtigkeit: Was bedeutet „Wassersäule"?
Die Wasserdichtigkeit wird in Millimeter Wassersäule angegeben: Auf das Material wird Druck ausgeübt und gemessen, ab wann Wasser durchdrückt. 10.000 mm entsprechen vereinfacht etwa 10 Metern Wassersäule. Bei manchen Membranen liegen die realen Werte sogar über den offiziell kommunizierten Angaben.
Atmungsaktivität: Trocken bleiben heißt auch „Schweiß raus"
„Atmungsaktiv" heißt: Wasserdampf kann von innen nach außen, damit sich unter dem Ölzeug keine Feuchtigkeit staut. Das funktioniert besser, wenn innen wärmer ist als außen. Und ganz entscheidend: Die beste Membran bringt wenig, wenn darunter Schichten sitzen, die Feuchtigkeit nicht weitergeben – Ölzeug ist Teil eines Systems. Gemessen wird über RET oder MVTR: RET niedriger = besser, MVTR höher = besser.
So ist Membran-Ölzeug aufgebaut
- Außen: Trägerstoff (Robustheit, Abrieb, Gewicht, Griff)
- Dazwischen: die Membran – das Herzstück, wasserdicht und atmungsaktiv zugleich
- Innen: Schutz- bzw. Futterlage
DWR-Imprägnierung: Warum Wasser abperlen soll
Viele Hersteller beschichten die Außenseite mit DWR (Durable Water Repellent), damit Wasser abperlt und der Außenstoff sich nicht vollsaugt. Ohne DWR droht „Wetting-Out": Die Membran bleibt zwar dicht, aber die Außenschicht wird nass und schwer, liegt klamm an und fühlt sich kalt an. Wichtig: DWR ist nicht dauerhaft – die Imprägnierung muss regelmäßig aufgefrischt werden.
Fazit: Teuer ist nicht automatisch richtig. Wer selten bei gutem Wetter segelt, braucht kein Offshore-Profi-Ölzeug. Wer regelmäßig draußen ist – Nordsee, Langfahrt, Nachtfahrten – profitiert deutlich von besserer Qualität und längerer Lebensdauer.
Praxis statt Prospekt
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